Irische Bogenschützen
 im Mittelalter

Der Irische Bogen,

dieser wird von Juan de Perelhos, einem katalonischen Ritter beschrieben, der Irland im Jahr 1397 besuchte, ist „so kurz wie ein halber Bogen von England; aber sie schießen bis zu den englischen“. Die Beweise belegen, dass, die auf den Hebriden und im anglo - Normannischen Irland verwendeten Bögen zumindest im 14. Jahrhundert kürzer waren (1,25m), als das wir sie als "Langbögen" anerkennen können. Nicht weil Langbögen unbekannt waren - es gab diese in Irland schon seit dem Ende des Frühmittelelaters, wie der Fund eines perfekten Langbogens aus dem 10, Jahrhundert bei Ballinderry belegt, nein es war wohl, weil diese dort zumindest im späteren Mittelalter nicht mehr begehrt wurden.

Das kann uns etwas über die Bedingungen des Kriegs zu dieser Zeit und über die Qualität der Rüstung und das Verhältnis von Aufwand und Nutzen zueinander sagen. Da die Kraft eines Bogens im Wesentlichen von seiner Länge abhängt, müssen die kürzeren Waterford Bögen ein wenig leistungsfähiger als ein typischer mittelalterlicher Langbogen gewesen sein. Dennoch sind sie als effiziente Waffe gegen die vorherrschende Kettenpanzerung einzustufen. Im 14. Jahrhundert, als das Kettenhemd im Wesentlichen durch die Plattenpanzerung ergänzt wurde, ist diese Aufrüstung in großem Maß der Wirkung der panzerbrechenden Pfeile zuzuschreiben. Es gab eine massive Zunahme der Bogenschützen in vielen europäischen Armeen im späteren 13. und frühen, l4. Jahrhundert.


 Bild 1 : Fragmente der Waterford Bögen
 

Die Plattenrüstung ist eine wirksame Verteidigung gegen von Bögen geschossene Pfeile von der Art wie in Waterford (Jones 1986) gefunden. Die Verwendung von längeren, leistungsfähigeren Bögen - das, was wir als "Langbogen" anerkennen würden, im 14. und 15, Jahrhunderten ist eine Antwort auf die allgemeine Verwendung der besseren Rüstung. Neben diesen Änderungen in der Form von Bögen gab es auch Entwicklungen in den Formen von militärischen Pfeilspitzen. In England wurde die alte, lange und schlanke Spitze im 14. Jahrhundert durch neuere Formen ersetzt. Zwei dieser neueren Formen sind in Irland nachgewiesen, das reflektiert, dass es zwei Antworten auf die Entwicklung der Plattenpanzer gab. Eine Antwort war der dickere, untersetzte panzerbrechende Pfeil (Bild. 2: Nr.8) welcher stark genug war ' in die Plattenrüstung einzudringen, wenn mit ausreichender Stärke geschossen wurde, das heißt auf kurzer Distanz.


 Bild 2 : irische Pfeilspitzen

Die zweite Antwort war ein relativ leichter, mit Widerhaken versehener Pfeil (Bild. 2:Nr. 9) von welchem überhaupt nicht beabsichtigt ist, dass er in die Rüstung eindrang, aber er wurde verwendet, "einen Feind, besonders seine Pferde aus einem Abstand über die Reichweite von schwereren Kriegspfeilen zu bekämpfen". beide Arten sind in Irland nur in sehr kleiner Anzahl vertreten und nicht so verbreitet wie in England und woanders in Europa. Das läst sich vertreten in Anbetracht dessen (und aus anderen Quellen), dass die Plattenrüstung selten im mittelalterlichem Irland (Halpin 1986) verwendet wurde. Die Irischen Verbände waren immer schlecht ausgerüstet. Einzelne Adlige und Offiziere übernahmen allgemein oder teilweise Rüstungen der Epoche. Aber die Masse, die Kern`s waren fast Ungerüstet. Monstrelet und Froissart geben in ihren Berichten über den hundertjährigen Krieg dafür Beschreibungen, bei denen die irischen Bogenschützen, welche als Teil der englischen Armee , mit höchstens einer Kettenhaube und/oder Helm, so wie einer leichten Plattenbrigantine aus Stoff oder Leder, oder einem Kettenhemd gerüstet zu Felde zogen. Diese Art der (maximalen) Rüstung der irischen Bogenschützen lässt sich bis auf die Mitte des 11. Jahrhunderts zurückführen, da ähnliche Beschreibungen in den Chroniken des englischen Gesandten Malachius von Armagh (später der heilige Erzbioschoff von Armagh) zu finden sind, die diese jedoch ebenfalls nur den Offizieren und Adligen zuordnen. Daher kann man davon ausgehen, dass die Mehrheit der irischen Bogenschützen zumindest zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert gleichermaßen schlecht bis gänzlich gar nicht gerüstet waren, wie dies bei den einfachen Fußsoldaten, den Kerns´s der Fall gewesen ist.

              
            

Die spätmittelalterliche Periode

Das 14. Jahrhundert war der Anfang des Erfolges des englischen Longbowmans, als dessen militärisches Potential richtig eingesetzt wurde. Der französische Adel bekam das im hundertjährigen Krieg, der 1337 begann, bitter zu spüren. Eine riesige Anzahl von Bogenschützen kämpfte in den meisten englischen Schlachten des Kriegs. Die Feuerkraft der zusammengezogenen Bogenschützen war entscheidend in den Schlachten von Crecy und Agincourt. Zwangsläufig beeinflussten diese Entwicklungen auch Irland.

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Gälische und irische Bogenschützen

Mitte des 14. Jahrhunderts machte die anglo - irische Regierung wiederholte Versuche, die Verwendung des Langbogens unter den Kolonisten zu fördern, eindeutig mit dem Ziel, eine Truppe von Bogenschützen nach dem engl. Model auszubilden. Allerdings schien der Adel kein vertrauen in dieses Volksaufgebot zu haben. Von 1340 an tendierten die Hauptgouverneure der Kolonie dazu, ihr Gefolge aus bezahlten englischen Söldnern aufzustellen. Im späteren 14. Jahrhundert, haben diese mindestens 65% -75% des ganzen Gefolges ausgemacht. Damals, sowie im 15. Jahrhundert, wurde die königliche (engl.)Armee in Irland fast ausschließlich aus Bogenschützen zusammengesetzt. Somit wird der Langbogen spätestens hier in den Pales Einzug gehalten haben.
                                                                   

Anordnungen

Die kleine königliche Armee, die nur eine beschränkte Größe im mittelalterlichen Irland erreichte, und die anglo-irischen Kolonisten wussten von der Notwendigkeit, das ihre Verteidigung bei ihnen selbst lag. Die Anordnungen zum Bogenschießen werden durch das lrish Parlament von 1460 in zeitgenössischen Überlieferungen ausdrücklich erwähnt. "die Verteidigung der englischen Nation dieses Landes vor der Böswilligkeit der irischen Feinde derselben Länder und hängt davon ab den besagten Feinden zu geben den größten Widerstand und Schrecken von jeder Waffe in diesem Land "(Beere 1910, 647-649).

Die spätere mittelalterliche Periode sah wiederholte gesetzgebende Versuche, die Entwicklung einer großen Anzahl von tüchtigen Bogenschützen unter den Kolonisten zu erreichen. Mehrere Parlamente arbeiteten im 15.Jh.an Gesetzen. (Beere 1910, 647-649; Beere 1914, 293-298; Vesey 1765, 48) Unter anderem fordern sie: - das jeder Mann der Kolonie besitzt einen Langbogen und Pfeile; - das jeder Lord oder große Grundbesitzer zu liefern hat Bögen und Pfeile für seine Diener und einen vollständig bestückten berittenen Bogenschützen aufstellt ,für Einnahmen. von mehr als 20 Pfund aus Ländern oder Eigentum. - das jeder Ort von mehr als drei Häusern einen stellt das die Einwohner Bogenschießen üben an jedem Festtag zwischen dem März und dem Juli.

Die Versorgung mit Langbögen war ein anderes Problem. Im Jahr 1460 bemerkt das Parlament, dass die Kolonie, "eigentlich fast mittellos war" an Bögen und ein Gesetz, wurde im Jahr 1473 verabschiedet (und in 1495 und 1516 wieder gesetzt) das zwang die Kaufleute, die Waren aus England importieren, Langbögen zum Verkauf in Irland im Verhältnis zum Wert ihrer Ware (Morrisscy 1939, 99) mitzubringen. Die Wirkung von Maßnahmen wie dieser ist schwer abzuschätzen; viele von ihnen werfen vorherige Verfügungen in England selbst zurück, und ihre Einführung in Irland kann eine mehr oder weniger flüchtige Operation gewesen sein. Dass es eine Wirkung gab; bezeugen Aufzeichnungen über Bogenschießende in Dublin, Waterford, Drogheda, Kilkenny und aus anderen Städten. Das Gesetz, das die Kaufleute zwingt, Langbögen zu importieren, ist bis zum späten 16. Jahrhundert tatsächlich durchgesetzt worden. Es gab Beschwerden dazu, und es wurde missbraucht (Kalender des Carew Mss' 1575-88, 401). Jedoch, gibt es Hinweise darauf, dass Bogenschießen in angloirischen Städten häufiger geübt wurde als im Umland.

Der Einsatz

Zum Ende des 15. und im frühem 16. Jahrhunderts tendierten die Grafen von Kildare als Hauptgouverneure dazu, ihre eigenen Gefolge aufzustellen, zusammengesetzt hauptsächlich aus einheimischem Truppen (galloglaigh und Kerne) anstatt der Bogenschützen (Ellis 1986, 54-55). Das ist im Wesentlichen aus politischen statt aus militärischen Gründen gewesen. Aber es bringt die Frage dennoch auf, wie erfolgreich waren die Versuche, das Bogenschießen unter den anglo - irischen Kolonisten zu fördern. Es scheint sich in den anglisierten Herzländern entlang des Ostens zwischen den Städten von Dublin und Drogheda - eine Tradition des Freisassenbogenschießens nach dem englischen Muster entwickelt zu haben. Woanders jedoch ist es wahrscheinlich das das unverwechselbare lrish militärische, das alte Muster von Reitern, dem schwerem Fußsoldaten, „galloglaigh“ und dem einfachen Fußvolk ,,Kerne“ vorherrschte (Ellis 1986, 55). Sogar in der Glanzzeit der englischem Bogenschützen gibt es keine Beweise, dass das Bogenschießen zu entscheidendem militärischem Vorteil in Irland verwendet worden ist. Zwei Hauptgründe können angeführt werden.
Erstens war die Kolonie nie in der Lage, die große Anzahl von geübten Bogenschützen rechtzeitig zusammenzurufen, die gebraucht wurde, um den Langbogen wirksam zu verwenden. Der Versuch, ein Korps von bäuerlichen oder bürgerlichen Bogenschützen nach dem englischen Modell aufzustellen scheiterte, mit Ausnahmen im anglisierten Teils der Bevölkerung, und vielleicht, in einigen der größeren Städte.
Zweitens: noch viel Wesentlicher, ist die Art der Kriegführung im rückständigen mittelalterlichen Irland, wo es sehr wenige offene Kämpfe gab. Die irische Art beruhte auf einen überfallartigen Krieg nach keltischem Vorbild, angreifen, zuschlagen und notfalls schnell zurückziehen.

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Angaben über Truppenkontingente

Als im15. Jahrhunderts, das englisches Interesse an Irland schwand wurde dem Lordstellvertretendem Thomas FitzGerald, Grafen von Kildare ein Gefolge von nur 80 Bogenschützen vom irischen Parlament im Jahr 1472 gewährt, obwohl dies um 163 Soldaten im Jahr 1474 gesteigert wurde. Außerdem existierte die Kildare Zunft of Arms(später die Gilde von St. George genannte) von 1474-95 für die Verteidigung der Pale (Bezirke) Arms genannt. Sie wurde bezahlt aus Abgaben und befohlen vom Lord Abgeordneten und der 12 'ehrbaren Männer' von den Bezirken (Meath, Louth, Dublin und Kildare, als 'die Bezirke'(Pale) seit 1465 genannt) und umfassten 40 Soldaten ihrer Seiten und 120 berittene Bogenschützen. Im Jahr 1481 wurde Thomas' Sohn und Nachfolger Gerald ein zusätzliches persönliches Gefolge von 40 Soldaten und 80 berittenen Bogenschützen von den Besitzungen gewährt.

Eine andere Quelle von Truppen sind die Milizabgaben der so genannten gehorsamen Bezirke', welche 1366 sind Louth, Meath, Dublin, Kildare, Form, Carlow, Kilkenny, Wexford, Waterford und Tipperary (aber bis zur ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gerade noch die ersten vier zählte) gerechnet. Das Statut von Winchester war auf Irland im Jahr 1307 ausgedehnt worden und wurde mit den Statuten von Kilkenny im Jahr 1366 rückbestätigt. Organisiert waren die Einheiten von 20, 100 und 1 000 Männer, wie in England, mit Bogenschützen, und anderer Infanterie, Hobilars und Kavallerie. Dennoch war die Anzahl der aufgebotenen Bogenschützen wahrscheinlich relativ klein, das Statut fand es notwendig, zu empfehlen, dass die englischen Kolonisten hurley aufgeben und stattdessen mit dem Bogen üben sollten.

Armeen dieser Ära, sowohl irisch als auch englische (oder anglo - irisch), erreichten maximal nur etwa 5-6000 Mann, manchmal nur Hunderte, zum Beispiel die Grafen of Ormond und Desmond zählten, nur 100 Soldaten und 460 Bogenschützen zwischen ihnen, als sie aus England im Jahr 1413 landeten.. Die größte Anzahl von Männern die ein Lord auszuheben hoffen konnte, waren normalerweise nur 1-2000 Männer. Sogar Edward III. Sohn Lionel von Antwerpen hatte nicht mehr als 1500 Man-at-arms, Hobilars und Bogenschützen im Jahr 1361. Ebenso soll MacMurrough Kavanagh, König von Leinster nur 3.000 Männer im Jahr 1399 abgewehrt haben.

Andererseits konnten Ulsters 4 irische Chefs (Magennis, König von Iveagh, MacMahon von Monaghan, O'Reilly von Cavan und MacQuillan nur 3.000 Männer im Jahr 1449 aufstellen, obwohl 1470 O'Reilly 2.000 Männern allein aufstellt, nur, um von einer durchschnittlichen englischen Feldarmee von etwa 500 Bogenschützen, 200 Infanteristen' und 70 vom Erzbischof zusammen gesammelten Reitern geschlagen zu werden.

Hier muss ich zum Schluss noch erwähnen das es sich hauptsächlich um Kleinkönigtümer handelte, die sich im lauf der Geschichte heraus gebildet haben und das Irland durch Seuchen und Hungersnot im 14.Jh. fast die hälfte seiner Bevölkerung verloren hatte.

Das Ende einer Ära

Aus rein irischen Quellen wird die Verwendung des Bogens durch gälische Iren zuerst im l0 Jahrhundert erwähnt und dann öfter in der späteren (mittelalterlichen) Zeit . 1360, wird ein gewisser Donald Gall bezahlt, er führt 208 irische Bogenschützen im englischem Dienst. Sowohl die gemeinen footsoldiers ("Kerne") als auch die "Knaves" (d.h. Pagen) der gallowglaish tendierten zu der Ausrüstung mit Bögen, wie von den englischen Schriftstellern Nowell in den 1480ern, Sentleger im Jahr 1543, Spenser im Jahr 1596 und Dymmok 1600 beschrieben wird.

Im 16. Jahrhundert gibt es Beweise zum Gebrauch des Bogens in Irland durch schottische Söldner. Die Wirksamkeit von diesen schottischen Bogenschützen wurde am eindeutigsten im Jahr 1584 gesehen, als eine Armee von 2400 Schotten, von denen 1100 Bogenschützen waren, in Ulster landete. Der Lord Abgeordnete Perrot bemerkte bald danach "die Bogenschützen der Scotts haben mehr Verletzungen in den Zusammenstößen gehabt, als dass diese unsere Schüsse getan haben," und so war es den Schotten zu verdanken, das die englische Verwaltung veranlasste, die Tendenz in Richtung der Vorgabe des Bogenschießens zurückzudrehen, (C.S.P.I. 1574-85, 524; McNeill 1943, 15). Vielleicht waren auch bereits viele Musketen im Einsatz. 1609 soll bereits jeder 8. Siedler (engl.) eine besessen haben.(Seehase u. Oprotkowitz/Montrose S.63), so dass der Bogen als Kriegswaffe mehr und mehr verdrängt wurde.

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Unter Verwendung des Artikels: Military Archery in Medieval Ireland

Von Andrew Halpin - 1977 Brügge

Grafiken und Auszüge der Beschreibungen von

Historisches Zinn, Auckland, Neuseeland

http://www.historischeszinn.com